Bau einer Guitarlele: #12 Zargen biegen

Bau einer Guitarlele: #12 Zargen biegen

 

Für mich eine der spannendsten Arbeiten beim Bau einer Gitarre: das Biegen der Zargen. Denn auch wenn man schon länger mit Holz arbeitet, das Biegen von Holz ist eine Aufgabe die nicht alltäglich ist. Das Prinzip dahinter ist jedoch recht einfach: Die Verbindung der Holzfasern wird mithilfe von Hitze und Dampf gelockert. Dadurch lässt sich das Holz verformen und behält nach dem Abkühlen die gegebene Form.

Zum Biegen habe ich mir aus einem Stück Alu, einer Heizpatrone und einem Regler ein Biegeeisen gebaut. Das Rundmaterial aus Alu habe ich in eine „Ei-förmige“ form geschliffen – damit habe ich verschiedenste Radien zur Verfügung. Der Regler hält die eingestellte Temperatur durch ein- und ausschalten der Heizpatrone. Natürlich kann man sich so ein Biegeeisen schon fertig kaufen, ist halt nur teurer.

 

Zargen biegen

Bevor die Zargen gebogen werden können müssen sie auf die richtige Stärke gebracht werden.

Bau einer Guitarlele: #12 Zargen biegen

Zuerst schau ich mir beiden Zargen genau an und suche mir die schöneren Seiten heraus – die sollen später außen liegen. Die Unterkanten begradige ich mit dem Hobel. Wie schon bei Decke und Boden sind die beiden Bretter spiegelgleich aufgeschnitten, und so lege ich sie auf zusammen. Das heißt der Faserverlauf schaut später auf beiden Seiten gleich aus.

Bau einer Guitarlele: #12 Zargen biegen

Nachdem eine Kante (die später auf der Decke angeleimt wird) gerade ist, glätte ich die Oberfläche mit der Ziehklinge. Es ist besonders wichtig dass beide Seiten des Holzstreifens später glatt und frei von Ausrissen sind. Sonst kann es beim Biegen passieren das sich Fasern aufstellen und die Zargen im schlimmsten Fall brechen.

Bau einer Guitarlele: #12 Zargen biegen

Ist die erste Seite glatt drehe ich das Brett um und hoble es von der anderen Seite her auf die gewünschte Stärke. Ich will die Zargen auf 2 mm bringen. Mit dem Hobel arbeite ich aber nur auf ca. 2,2 mm und erledige die restlichen 0,2 mm mit der Ziehklinge, damit ja keine Ausrisse vom Hobel im Holz bleiben. Gehobelt und geschabt wird dabei nur in Faserrichtung!

Bau einer Guitarlele: #12 Zargen biegen

Sobald beide Stücke auf Stärke gehobelt sind, zeichne ich die Außenseite mit Kreide an. Die Unterkante markiere ich mit einem Pfeil.

Bau einer Guitarlele: #12 Zargen biegen

Das Biegeeisen erhitze ich auf 180°C. Beim Biegen der Palisander-Zargen bin ich auf 190°C gegangen. Die Zargen werden mit Wasser aus einer Sprühflasche angefeuchtet. Oft lese ich davon dass man die Zargen in ein Wasserbad legen und für 30 Minuten einweichen soll. Ich habe die Erfahrung gemacht dass bei zu viel Wasser die Zargen leichter aufreißen, also die Holzfasern von der Zarge lösen. Vielleicht ist das bei anderen Holzarten wieder anders…

Bau einer Guitarlele: #12 Zargen biegen

Ich zeichne mir die Kontur der Gitarre mithilfe der Schablone auf die Werkbank. Mit einem Stück Schnur bestimme ich wo der erste Bug liegt und zeichne mir die Stelle an der Zarge an. Ganz wichtig: Immer darauf achten welche Seite „unten“ sein muss, denn man braucht ja eine linke und rechte Seite. Ich lege die angefeuchtete Zarge auf das Biegeeisen und erwärme die zu biegende Stelle. Man darf nie zu lange auf der selben Stelle stehen bleiben, da das Holz sonst verbrennt.

Am Anfang ist das vielleicht etwas schwierig, aber mit der Zeit merkt man wann das Holz flexibel wird und sich biegen lässt. Den Zeitpunkt muss man immer abwarten. Bei engen Radien lege ich noch ein Stück Blech auf die Außenseite der Zarge, das beugt Ausrissen vor und verteilt die Temperatur im Holz besser.

Bau einer Guitarlele: #12 Zargen biegen

Hat man das Holz ein Stück gebogen, nimmt man es vom Biegeeisen und hält die Form für ein paar Sekunden mit den Händen fest, damit sich die Fasern wieder abkühlen und das Holz die Form behält. Immer wieder kontrolliere ich die Biegungen an der Markierung und entscheide wo und wie stark ich als nächstes biegen muss. Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür wo man biegen muss damit die Zarge das macht was man will ;)

Bau einer Guitarlele: #12 Zargen biegen

Besonders wichtig ist dass die Kurven gleichmäßig verlaufen, es sollen also keine einzelnen Bereiche fixiert werden. Immer die Kurve als Ganzes im Auge behalten. Die Zarge muss am Ende bis auf +/- 1,5 mm der angezeichneten Kontur folgen. Außerdem kontrolliere ich immer wieder dass ich die Zarge nicht versehentlich verdrehe, sie muss also immer flach auf dem Werktisch liegen und darf nicht kippeln.

Als ich meine ersten Zargen gebogen habe, hab ich es mit der Genauigkeit etwas lockererer gesehen. Ich dachte mir dass ich die Zarge beim aufleimen auf die Decke einfach an die richtige Position presse. Das klappt mit einiger Mühe zwar, nur macht man sich beim Zusammenbau das Leben selbst schwer – von den unnötigen Spannungen im Holz ganz zu schweigen. Bei meiner ersten Akustikgitarre hat nach 2 Monaten der Boden einen Riss bekommen, ist zwar nicht sehr schlimm im Moment, aber ich bin mir ziemlich sicher dass dies von genau diesen Spannungen durch die Zargen kommt.

Bau einer Guitarlele: #12 Zargen biegen

Die zweite Zarge wird anschließend mit der selben Methode gebogen, nur eben darauf achten dass die angezeichnete Unterkante wirklich unten und die Außenseite wirklich außen ist!

Bau einer Guitarlele: #12 Zargen biegen

Nach dem Biegen lasse ich die Zargen für mindestens einen Tag liegen, damit das Holz richtig durchtrocknen kann. In dieser Zeit ist es normal dass die Biegungen nochmal etwas „aufgehen“. Kurz vor dem Aufleimen biege ich die Zargen deshalb nochmal TROCKEN nach.

Wie ihr seht ist das Biegen der Zargen nicht ganz einfach und es gibt einige Dinge zu beachten. Wenn man aber weiß auf was man aufpassen muss und sich Zeit lässt, ist es auf jeden Fall machbar. Wer unsicher ist kann sich auch zum Üben Abfallstücke suchen und ein Gefühl für diese Arbeit entwickeln. Hab ich auch genauso gemacht und ist sicher billiger als eine gebrochene Zarge ;)

Als nächstes werden die Zargen abgelängt und auf die Decke geleimt. Bis dahin,

Stay tuned, Rudie

 

 

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