Bau einer Guitarlele: #23 Setup und Finish

Bau einer Guitarlele: #23 Setup und Finish

 

Endlich ist es soweit: Die Guitarlelen können eingestellt und anschließend geschliffen und geölt werden! Bei meinen ersten Instrumenten ist es mir ab diesem Zeitpunkt relativ schwer gefallen mir Zeit zu lassen und alles sauber zu erledigen. Man will halt einfach unbedingt schon wissen wie das Instrument klingt, wie es sich spielen lässt und wie es im fertigen Zustand ausschaut.

Jede Ungenauigkeit bestraft einen dann aber später mit Kratzern, Dellen oder ungleichmäßiger Oberfläche. Auch ein schlecht eingestelltes Instrument beeinflusst das Spielgefühl und den Klang sehr negativ. Und wie so oft im Leben ist es nun einmal der erste Eindruck der zählt. Und der ist bei einer zerkratzen Gitarre, bei der die Saiten mal dort und da scheppern bestimmt nicht der Beste :)

Eines vorweg: Ich will damit jetzt nicht behaupten dass meine Ergebnisse perfekt sind, meinen eigenen Erwartungen nach bin ich davon noch weit entfernt. Aber die Instrumente die ich bis jetzt gebaut habe sind allesamt leicht zu spielen, scheppern nicht und intonieren sauber. 

 

Setup und Finish

Bau einer Guitarlele: #23 Setup und Finish

Als erstes weite ich die Nut zwischen Griffbrett und Kopfplatte auf die Stärke des Sattels, bei mir 5 mm. Dazu lege ich ein Stück Holz mit 4 mm Stärke an die Griffbrettkante und mache einen Schnitt mit der Japansäge. Den letzen Rest erledige ich mit einer Feile. Der Sattel soll leichtgängig in die Nut passen, aber nicht wackeln.

Bau einer Guitarlele: #23 Setup und Finish

Mit einer Halbrundfeile schräge ich die Enden der Schlitze in der Kopfplatte an, da die Saiten in einem Winkel zur Mechanik hin verlaufen und sonst am Holz aufliegen würden.

Bau einer Guitarlele: #23 Setup und Finish

So sieht das Endergebnis dann aus. Dort wo ich in die Seiten der Schlitze gefeilt habe, muss ich die Spuren mit Feile und Schleifpapier entfernen.

Bau einer Guitarlele: #23 Setup und Finish

Die Kante auf der Vorderseite der Kopfplatte fase ich mit einem Messer an. So sieht man die Furnierlagen, was für mich optisch ganz gut ausschaut.

Bau einer Guitarlele: #23 Setup und Finish

Die Guitarlelen bekommen einen Endpin aus Ebenholz. Da der Pin konisch ist, bohre ich zuerst ein Loch mit einem kleineren Durchmesser und feile das Loch solange aus, bis der Endpin tief genug rein passt.

Bau einer Guitarlele: #23 Setup und Finish

Zuerst werden die Mechaniken montiert. Das Sattelmaterial aus Knochen kaufe ich immer als Rohmaterial. Ich passe das Stück so an, dass es leicht in die Nut geht und nicht wackelt. Als nächstes zeichne ich die erforderliche Höhe mit einem Bleistift an den ich halbiert habe. Der Stift liegt so auf den Bünden auf und markiert genau die Höhe die benötigt wird. Die Seiten zeichne ich ebenfalls an und feile den Sattel so zurecht, dass er genau bündig mit dem Griffbrett ist.

Bau einer Guitarlele: #23 Setup und Finish

Von den Außenkanten messe ich 4 mm nach innen. Das markiert die Positionen der äußeren Saiten. Die restlichen 4 Saiten markiere ich mit einem speziellen Lineal, welches die Saitenabstände unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Saitendurchmesser angezeichnet hat. Da bei Nylonsaiten die Durchmesser der Saiten nicht so stark variieren wie bei Stahlsaiten, könnte man aber auch einfach die Abstände ausmessen.

Bau einer Guitarlele: #23 Setup und Finish

Mit Sattelfeilen vertiefe ich die Markierungen ein Stück. Die genaue Tiefe der Kerben feile ich erst mit aufgezogenen Saiten.

Bau einer Guitarlele: #23 Setup und Finish

Die Stegeinlage ist auch aus Knochen. Ich passe die Breite dem Steg an. Die Höhe ermittle ich ebenfalls wenn die Saiten aufgezogen sind.

Bau einer Guitarlele: #23 Setup und Finish

Als erstes ziehe ich alle Saiten auf. Danach werden die Nuten am Sattel mit der Feile auf die korrekte Höhe gefeilt. Das mache ich eigentlich immer nach Gefühl. Die Saiten sollen letztendlich nur minimal höher als der erste Bund sein. Sind die Saiten zu hoch, ist die Gitarre auf den ersten Bünden schwer zu spielen und intoniert unter Umständen schlecht. Sind die Saiten zu tief schlagen sie am 1. Bund an und verursachen ein Scheppern. Bei Nylonsaiten lässt man die Kerben grundsätzlich etwas höher als bei Stahlsaiten, da sie ohnehin weniger Spannung haben und daher leichter zu greifen sind. Durch die niedrigere Spannung hat man auch selten Probleme mit der Intonation.

Als nächstes messe ich den Abstand zwischen der Oberkante des 12. Bundes und der Unterkante der Saite. Ich strebe eine Saitenlage von 3 mm an. Ist diese zu hoch, muss man die Stegeinlage um die doppelte Differenz zur gewünschten Saitenlage niedriger feilen. Ist also die Saitenlage am 12. Bund bei 4 mm, muss man die Stegeinlage um 2 mm niedriger feilen um auf 3 mm Saitenlage zu kommen.

Bevor die Guitarlele geschliffen und geölt werden kann müssen Saiten, Mechaniken, Sattel und Stegeinlage wieder demontiert werden. Danach wird Gitarre säuberlich geschliffen. Ich beginne mit einer Körnung von 180 und arbeite mich bis zur Körnung 600 vor. Wenn man das genau macht können dabei schon einige Stunden vergehen. Bevor mit dem Ölen begonnen werden kann, muss das gesamte Instrument frei von Kratzern und sonstigen Unebenheiten sein!

Bau einer Guitarlele: #23 Setup und Finish

Ich öle meine Gitarren mit „TruOil“. Dieses schnell härtende Öl wird normalerweise für Gewehrschäfte verwendet. Da ich ein natürliches, offenporiges Finish anstrebe ist es für mich perfekt. Ich trage das Öl in kleinen Mengen mit einem Stück Küchenpapier auf und wische es anschließend gleich wieder mit einem sauberen Küchenpapier trocken. Nach 12 Stunden gehe ich mit sehr feiner Stahlwolle (0000) über die Gitarre und wiederhole den Vorgang.

Insgesamt habe ich 5 Schichten aufgetragen. Trägt man weitere Schichten auf kann man sogar eine glänzende, porenfreie Oberfläche erzeugen. Mir gefällt aber der seidenmatte Look einfach besser.

Bau einer Guitarlele: #23 Setup und Finish

Auch die Decke habe ich auf diese Weise geölt. Ich muss aber sagen dass die sehr weiche Zeder recht empfindlich bleibt. Da gibt es sicher bessere Methoden um die Decke zu schützen. Wieder was gelernt :)

Ich konnte übrigens was den Klang betrifft keinen großen Unterschied zwischen unbehandelter und geölter Decke feststellen. Das TruOil baut nur sehr dünne Schichten auf und zieht kaum ins Holz ein. Es ähnelt mehr einer Schellackpolitur.

 

Wenn ich mit dem Aussehen der Oberfläche zufrieden bin lasse ich das ganze Instrument für mehrere Tage durchtrocknen. Anschließend gehe ich wieder mit feinster Stahlwolle über das gesamte Instrument. Dadurch bekommt man ein seidenmattes Finish. Das Griffbrett wird noch mit Zitronenöl geölt. Außerdem habe ich noch ein Schlagbrett aus Kunststoff ausgeschnitten und aufgeklebt.

Und so geht ein doch recht langer Baubericht zu Ende. Ich bin mit dem Ergebnis wirklich sehr zufrieden. Die Guitarlelen machen wirklich Spaß beim Spielen und sind für ihre Größe sehr laut. Beschreibungen vom Klang erspare ich mir an dieser Stelle, ich werde aber ein Video mit Soundbeispielen aufnehmen – so könnt ihr euch selbst ein Bild machen. Außerdem werde ich die Instrumente noch im fertigen Zustand fotografieren. Darüber informiere ich euch natürlich noch gesondert :)

Ich hoffe ihr hattet beim Verfolgen der Bauberichte genauso viel Spaß wie ich beim Bau, über Kommentare, Fragen und Verbesserungsvorschläge freue ich mich natürlich!

LG, Rudi

 

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